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Leseprobe "Endzeitführer" PDF Print E-mail
Friday, 21 July 2006

Inhaltsverzeichnis

Chicken Little

System 1: Zwei Gottesvölker

System 2: Tausend Jahre Frieden

System 3: Immer besser!

System 4: Das Millennium ist jetzt!

Eine neue Eschatologie

Nachwort: Das 21. Jahrhundert

Appendix: Predigt zum Thema Endzeit

Bibliographie


Einleitung

Ich liebe die Eschatologie. 1973, als ich noch ein junger Teenager war, erschütterte die Ölkrise die westliche Welt. Ich erfuhr, dass wir nur noch für eine gewisse Zeit genug Öl und andere natürliche Ressourcen übrig hatten. Dann las ich zufällig die Berichte des 'Club of Rome', einer Gruppe Wissenschaftler, die die Folgen uneingeschränkten Wachstums erforschten. Ihre Berichte gingen von einer einfachen Annahme aus: Wachstum hat Grenzen, weil das 'Raumschiff Erde' endlich ist. Das Buch zeigte auf, wie Weltbevölkerung und Umweltverschmutzung exponentiell zunahmen. Die Nahrungsmittel- produktion hinkte hinterher. Die natürlichen Ressourcen wurden schnell erschöpft. In absehbarer Zeit würde alles zusammenbrechen; die Wachstumskurven in dem Buch veranschaulichten das sehr überzeugend. Diese Entdeckung zerschlug meinen Glauben an unsere Gesellschaftsform.

Aber welche Alternative gab es? Ich erkannte, dass Sozialismus und Kommunismus schon über ihre Glaubwürdigkeit hinaus existierten. Ein Schulausflug nach Ost-Berlin reichte aus, mich davon zu überzeugen. Bei welcher anderen Revolution außer dem Kommunismus konnte ich mitmachen und ein 'realistisches Utopia' oder einen Weg zurück zum Paradies finden? Welche langfristige Hoffnung gab es überhaupt? Eines Tages hat die Sonne ihren Wasserstoff verbrannt, und dann ist alles vorbei; solcherart ist die Eschatologie, die die Naturwissenschaften zu bieten haben.

Ich fing an, mich für die ökologische Bewegung zu interessieren, und bin sicher, dass mich die New Age Bewegung stark angesprochen hätte. Bestimmt hätte sie bis zu einem gewissen Grad die Leere ausfüllen können, die ich empfand. Aber bevor mich das Zeitalter des Wassermanns finden konnte, fand mich Jesus, und das veränderte alles. Er versprach mir eine bessere zukünftige Welt, die kein Utopia war. Gleichzeitig bot er ein Lebensprogramm für jetzt. Jesus rettete mich (unter anderem) vor einer zukunftslosen Zukunft und gab mir Hoffnung. Deshalb liebe ich Eschatologie. Sie ist essentiell. Wie könnten wir ohne sie leben?

Jahre später fand ich mich bei den Vorbereitungen auf meinen Magister in Bibelkunde wieder und musste mir ein Thema für meine Diplomarbeit aussuchen. Die Entscheidung war leicht; die Arbeit musste mit dem Gebiet der Eschatologie zu tun haben. Besonders hatten es mir die eschatologischen Aspekte der Propheten im Alten Testament angetan sowie die Herausforderung, sie richtig auszulegen (keine leichte Aufgabe). Mein Thema ergab sich wie von selbst: die Auslegung eschatologischer Prophetie im Alten Testament. Um diese Frage zu klären, musste ich mich mit den verschiedenen Anschauungen über Eschatologie vertraut machen, da unser Endzeitverständnis großen Einfluss darauf hat, wie wir alttestamentliche Propheten lesen und verstehen.

Was ich beim Schreiben meiner Arbeit gelernt habe, ist die Grundlage für dieses Buch.

Audistadt

Stellen Sie sich eine Stadt vor, in der jeder einen Audi fährt. Zwei Händler gibt es dort, aber beide führen nur Audis im Sortiment. Die Einwohner haben nicht einmal von anderen Marken gehört. In Bezug auf Autos gibt es für sie nur Audi.

Eines Tages kommen Gerüchte auf: es soll etwas geben, das 'BMW' heißt, und das sei auch ein Auto. Die unmittelbare Folge: Misstrauen. Wenn etwas kein Audi ist, kann es unmöglich ein Auto sein.

Leidenschaftliche Audifans werden da zustimmen, aber das ist hier nicht der Punkt. Diese imaginäre Situation möchte vor Augen führen, was Provinzialismus ist: man kennt nur eine Alternative. In der Eschatologie ist das keine hypothetische Situation. Es ist in vielen Kreisen die Regel. Zahlreiche Christen kennen nur eine Sicht: diejenige, die in ihrer Gemeinde immer gelehrt wurde. Oder wenn sie von anderen Anschauungen gehört haben, beäugen sie diese misstrauisch, als unbiblisch oder gar als Irrlehre.

Es hat einen Vorteil, in einem Ein-Auto-Land zu leben. Es erleichtert erheblich die Entscheidung, welches Auto man kauft; man muss sich keine Gedanken machen. Das heißt aber nicht, dass man am Schluss ein besseres Auto erworben hat. Denken Sie zum Beispiel an die DDR. Bis vor kurzem hatten Autokäufer wenig Auswahl, sie kauften in den meisten Fällen Trabant. Nicht unbedingt der beste Gegenwert für das Geld.

Ebenso werden wir, wenn wir nur ein eschatologisches System kennen, genau dieses auch glauben. Es ist vielleicht nicht das beste, aber das wissen wir ja nicht. Wenn wir unsere Chancen auf einen guten Kauf erhöhen wollen, gibt es nur eins: wir müssen alle kennen.

Vier Möglichkeiten zur Auswahl

Das mag entmutigend klingen; wie viele Anschauungen müsste man dann kennen? Herrscht diesbezüglich nicht eine Verwirrung babylonischen Ausmaßes? Die Antwort heißt nein, nicht wirklich. Nicht wenn wir uns nüchtern orientieren und versuchen, das ganze Feld von Möglichkeiten zu übersehen, bevor wir uns entscheiden. Dann werden wir feststellen, dass es eigentlich nur vier Hauptrichtungen gibt, dazu vielleicht noch eine fünfte, die relativ neu ist und das Potential hat, die streitenden Lager einander näher zu bringen.

Diese vier Sichtweisen unterscheiden sich in ihrer Sicht des Millenniums, der tausend Jahre, die in Offenbarung 20 erwähnt werden. Es geht besonders um die Frage, wann Christus zurückkommt: vor oder nach diesem Millennium. Deswegen wird von Prä-, Post- und Amillennialismus gesprochen. Nebenbei bemerkt zeigt dies auch, worin die Ansichten übereinstimmen. Alle glauben an die sichtbare und körperliche Wiederkunft Christi auf Erden in Macht und Herrlichkeit, im Einklang mit der Verheißung des Neuen Testaments:

Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen (Apg. 1:11).

Denn es wird geschehen, dass der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun (Mt. 16:27).

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit (Mt. 25:31).

Dies sind die vier Möglichkeiten, wie wir Millennium und Wiederkunft verstehen können; sie bilden gleichzeitig den Rahmen für die Auslegung der übrigen Endzeitprophetien der Bibel:

Der Prämillennialismus glaubt, dass Christus vor dem Millennium wiederkommen wird (prä, lat. vor), welches als eine Zeit großen Friedens und Wohlstandes auf Erden angesehen wird. Es gibt zwei Versionen: dispensationalistischer Prämillennialismus und historischer Prämillennialismus. Diese zwei Varianten weisen beträchtliche Unterschiede auf. Tatsächlich sind sie so verschieden, dass der historische Prämillennialismus vielfach dem Amillennialismus näher ist als dem Dispensationalismus. Ich werde sie deshalb als zwei verschiedene Systeme behandeln.

Der Postmillennialismus setzt die Wiederkunft Christi hinter dem Millennium (post, lat. nach). Er glaubt an den Sieg des Evangeliums und des Reiches Gottes im gegenwärtigen Zeitalter. Dieser Sieg führt zu einer größtenteils christianisierten Welt und einer Zeit großen Friedens und Wohlstandes vor der Wiederkunft Jesu. Seine Wiederkunft wird den neuen Himmel und die neue Erde einläuten. Zur Zeit ist der Rekonstruktionismus die aktivste Form des Postmillennialismus.

Der Amillennialismus versteht das Millennium nicht wörtlich (a, lat. nicht). Stattdessen glaubt er, dass es symbolische Bedeutung hat und unsere Ära, das Gemeindezeitalter, darstellt (Genaueres dazu werde ich später erklären). Auch in diesem System läutet die Wiederkunft Christi die Vollendung ein, d.h. den neuen Himmel und die neue Erde, nicht das Tausendjährige Reich.

Die fünfte Alternative ist eher eine Sicht vom Reich Gottes als eine Auslegung des Millenniums. Ich werde sie vorstellen, wenn ich die anderen Anschauungen mehr im Detail besprochen habe.

Zwei weitere Punkte sind hier wichtig. Erstens, die Systeme sind nach ihrer Betrachtung des Millenniums benannt, ein Begriff, der nur in einer Bibelstelle ausdrücklich erwähnt wird, nämlich in Offenbarung 20. Daher kommt einem dieses Thema vielleicht eher unwichtig vor. Es geht allerdings um viel mehr als nur darum, wie wir das Millennium verstehen. Die verschiedenen Systeme wirken sich stark auf unser Verständnis vom Reich Gottes aus. Sie bestimmen nicht nur, wie wir die Zukunft betrachten, sondern auch unsere heutige Zeit und die Verantwortung, die wir darin haben. Das macht die Eschatologie zu einem so bedeutenden Thema: unsere Sicht von der Zukunft prägt und bestimmt unser Leben in der Gegenwart.

Zweitens, es gibt in jeder dieser vier Anschauungen vielerlei Abweichungen und Variationen. Daher muss die Erörterung in den folgenden Kapiteln vereinfachen und verallgemeinern. Nicht jeder Prä-, Post-, oder Amillennialist wird allen für die jeweilige Anschauung vorgestellten Elementen zustimmen. Genauso wenig wie den Durchschnittsdeutschen gibt es den Durchschnitts-X-millennialisten.

Trotzdem helfen uns diese Verallgemeinerungen zu verstehen, um was es geht. Wenn wir uns in diesen vier Anschauungen auskennen, wird unsere Verwirrung über scheinbar zahllose Endzeittheorien schwinden. Wir werden anfangen, uns zurechtzufinden. Wir können dann auch der Falle des Provinzialismus entgehen und über unsere eigene Position aufgeklärter entscheiden.

Kapitel 1: Chicken Little

Im angelsächsischen Raum gibt es eine reizende Geschichte, die in jedem Kinderzimmer zu Hause ist. Sie handelt von Chicken Little, einem Huhn, dem eines Tages etwas auf den Kopf fällt. Chicken Little schließt daraus, dass der Himmel bald herunterfallen wird und zieht los, allen dieses Weltuntergangsszenario zu verkünden.

Was Chicken Little nicht erkannte (und viele von uns auch nicht), ist, dass immer wieder Dinge vom Himmel fallen. Für uns sind es die 'Zeichen der Zeit', die uns bestürzen und uns meinen lassen, das Ende stehe jetzt unmittelbar bevor. Damit gesellen wir uns zu Generationen von Christen, die ebenfalls dachten, dass ihre Generation wahrscheinlich die letzte sei und sie mit Sicherheit in den letzten Tagen lebten.

Wir übersehen, dass das Neue Testament die letzten Tage anders definiert als wir, und missverstehen demzufolge das Wesen und den Zweck der Zeichen. Für die Apostel bezeichnete der Begriff die letzten Tage die Zeit, die mit Jesus begann, und nicht eine kurze Zeitspanne irgendwann in der Zukunft direkt vor seiner Wiederkunft. Für sie war der gesamte Zeitraum zwischen erstem und zweitem Kommen Christi die letzten Tage. Wahrscheinlich haben sie nicht gedacht, dass diese Endzeit so lange dauern würde, aber für sie war klar, dass sie angefangen hatte:

"Das ist's, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist: 'Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben'" (Apg. 2:16-17; laut Petrus fand das, was Joel vorhergesagt hatte, gerade in dem Moment statt, am Pfingsttag; die letzten Tage müssen nach seiner Auffassung also begonnen haben).

"[Gott hat] in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn, den er eingesetzt hat zum Erben über alles, durch den er auch die Welt gemacht hat" (Hebr. 1:2).

"Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis geben und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in diesen letzten Tagen!" (Jak.5:3).

Der Apostel Johannes nennt in 1. Johannes 2:18 seine Zeit sogar "die letzte Stunde". Er sagt, dass schon viele Antichristen gekommen sind; für ihn ein deutliches Zeichen, dass das Ende nahe ist. Das Erstaunliche daran ist, dass Johannes das schon im ersten Jahrhundert geschrieben hat. Es war damals wahr und ist auch heute noch wahr. "Die letzte Stunde" dauert nun schon über 1900 Jahre!

Das bedeutet aber, dass auch die Zeichen der Zeit anders zu verstehen sind, als viele von uns annehmen. Diese Zeichen charakterisieren den gesamten Zeitraum der letzten Tage. Sie sagen uns, in welcher Art von Zeit wir leben, geben uns aber keinen Anhalt, wie viel (oder wie wenig) Zeit uns noch bleibt. Sie befassen sich mit Qualität, nicht Quantität. Darum bedeuten die Umwälzungen unserer Tage nicht zwangsläufig, dass die Wiederkunft Jesu unmittelbar bevorsteht. Ja, wir hören den apokalyptischen Hufschlag der vier Reiter aus Offenbarung 6 - wie schon andere vor uns. Und ja, AIDS, Ozonlöcher, Treibhauseffekt und ausufernde Kriminalität sind Zeichen des Endes - wie schon die Pestepidemie, die im Mittelalter ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte. Wie die Geschichte beweist, sind diese Ereignisse leicht fehlzudeuten.

Saddam kurbelt Druckerpressen an

Das hat das Chicken-Little-Syndrom nicht davon abgehalten, das Ausmaß einer Epidemie anzunehmen, als Saddam Hussein 1990 in Kuwait einmarschierte und drohte, Israel anzugreifen. Interesse an biblischer Prophetie boomte. Bücher zu diesem Thema fanden reißenden Absatz. So wurden kurz vor Ausbruch des Golfkriegs über 500.000 Exemplare des Buches The Rise of Babylon: Sign of the End Times von Charles H. Dyer gedruckt. John F. Walvoord, Kanzler des 'Dallas Theological Seminary', übertraf dies noch: "Seit Mitte Dezember wurde Armageddon, Oil and the Middle East Crisis, eine modernisierte Fassung der 1974 veröffentlichten Ausgabe, 1,5 millionenfach aufgelegt (...) Seit der Erstveröffentlichung in 1974 waren bisher nur 508.500 Exemplare gedruckt worden." Zweifellos waren auch andere Endzeitbücher sehr gefragt, im Übrigen auch in Deutschland:

"Der Golfkrieg hat das Interesse an dieser Art von Endzeitliteratur neu aufflammen lassen, und so wurden noch im Jahr 1991 12000 Stück der deutschen Ausgabe [von Alter Planet Erde, wohin?] nachgedruckt (soviel, wie zuletzt 1977!) - von einem Buch, dessen Vorhersagemisserfolg immer deutlicher auf der Hand liegt."

Viele wollten herausfinden, ob die Ereignisse im Nahen Osten in der Bibel vorhergesagt wurden. Es war eine Zeit großer Aufregung; mit Sicherheit war das Ende nahe!

(Natürlich kam einiges dann doch anders. Als der Krieg ein schnelles Ende nahm, war auch die Hochkonjunktur für Endzeitbücher vorbei. Die Verlage blieben auf riesigen Stapeln sitzen. Im 1992-er Winterkatalog der 'Christian Book Distributors' (CBD) wurde Armageddon, Oil and the Middle East Crisis, das im Einzelhandel $ 8,95 kostete, für nur $1,95 angeboten. Eine zwanziger Packung wurde für $ 15,- und eine Kiste mit 64 Büchern für $ 29,44 (das sind 46 Cents pro Buch!) verkauft. Irgendetwas muss schiefgegangen sein. Hussein hat die Druckerpressen stärker angekurbelt als den Buchhandel.)

Ca. 95 Seiten A4. Kosten in digitaler Form (pdf): € 3,50. Kosten in Druckform (A4, gebunden als Thermomappe): € 11,45 inkl. Versandkosten in Deutschland (Ausland: zzgl. Versandkosten).

Buchbesprechung, erschienen im „Auftrag

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